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Geschichte

Wie endstand der Name des Dorfes Hirschfeld
von Ernst Seyler

Die Deutung des Namens beruht auf Vermutung. In der Matrikel 1575 wird unser Ort "Hirsfelt" aber auch "Hirschfeldt" geschrieben. Ortsüblich sagten die Leute früher auch "Herschfeld". Ersteres sollte auf die Hirse = Häersche hinweisen, weil hier früher viel Hirse angebaut wurde. Andererseits sollte es auf - Hersfeld - bei Fulda zurückzuführen sein. Die Gründer sind sicher Franken gewesen, die auch in der Gegend bei Kassel wohnen.
Die erste Besiedlung soll durch den Bischof von Naumburg erfolgt sein. Verschiedene Flurnamen weisen ja noch heute darauf hin, wie Frankenmühle, Frankenberg, fränkische Hofäcker, Frankenbach und Frankendorf. Das diese Wüstung ein Dorf gewesen sein muß, zeigt sich ebenso an den Flurnamen: z.B. Gottesgarten, der sich am Ende der fränkischen Flur befindet. Da in den uns zu Gebote stehenden Urkunden des Dorfes aber als solchen nie Erwähnung getan wird, muß dieses, vielleicht bei der ersten

Besiedlung um 1200 gegründet, in den späteren Streitigkeiten zwischen Sorben und Deutschen verlassen oder zerstört worden sein, und bei einer neuen Besiedlung wurde dann das neue Dorf nicht am Frankenbach, sondern an unserem Dorfbach aufgebaut. Mit dem Hirsch wird der Name wohl nichts zu tun haben, da bis 1910 weder Dorf- noch Pfarrsiegel einen Hirsch führten. Jetzt ist dies der Fall. Es wurde durch Pastor Arndt nach einer Zeichnung unseres damaligen dritten Lehrers Möhring ein Siegel mit
einem aus dem Walde schreitenden Hirsch entworfen und eingeführt. Nach meinen Forschungen muß ich feststellen, daß es mit dem oder den Heidebergen seine Richtigkeit hat. Im Süden des Dorfes ziehen sich Sandberge entlang, die als Ausläufer des Lausitzer Gebirges anzusehen sind und im Allgemeinen von unseren Leuten stolz "Gebirge" genannt werden. Die einzelnen Bergkuppen tragen nun verschiedene Namen. So gibt es die "Hedenberge" oder Heidenberge oberhalb des Dorfes jenseits des Heeligen" Grundes oder Heiligen Grundes. Oberhalb des Dorfes, aber nach dem Dorfe zu von heiligen Grunde, liegt der
Horst- oder Heilige Berg. ...

Geschichtliche Entwicklung der Gemeinde Hirschfeld

Die Gemeinde Hirschfeld, früher Hirsfeld, ist eine typische Ortsgründung der deutschen Ostkolonisation des 12. Jahrhunderts im Schradengebiet neben Großthiemig, Frauwalde, "Frankendorf" und Gröden.

Um 1400 straffe Verwaltungsgliederung in Sachsen. Das Schradengebiet gehörte zu Hayn. Nur Ortrand, Gröden und später auch Wainsdorf gehörten unter die Amtsgewalt. Die übrigen Gemeinden standen unter der Herrschaft adliger Geschlechter, Sonderfall ist Hirschfeld. Die Unterdrückung der Bauern war gerade im Hirschfelder Bereich größer als in den direkt unter sächsischer Landeshoheit stehenden Orten.
1428
Erste Bauernliste (16 Namen) - laut Staatsarchiv Dresden
1474
Erwähnung des ersten Kirchturmes, erste Holzplastiken
1539
Einführung der Reformation, evangelische Exulanten bringen aus dem Raum Bayreuth freiheitliches Kulturgut mit
1563
Bau des Pfarrhauses, heute als Bruchsteinmauerwerk mit Lehmbindung noch nachweisbar
1575
gibt es bereits 48 Bauern 1 Schenkwirt 1 Pfarrer 1 Lehrer
2 Müller 5 Gärtner
Dagegen tritt 1620 der erste Windmüller und neben den 2 Müllern der sogenannte Frankenmüller auf.
1630
Schwedische Brandschatzung im 30-jährigen Krieg
1681
Alter Schulbau nicht genau festlegbar. Der 1681 gestorbene Georg Ganzig war in Hirschfeld
50 Jahre Lehrer und Küster, sein Vater und dessen Vorgänger P. Wiedemann waren 40 Jahre
Lehrer.
(Frage: Erste Schule um 155o/51 ?)
1690
Fachwerkobergeschoß des Pfarrhauses abgeschlossen
1648
Abbruch des alten Altars, Erweiterung des Chorraumes, Errichtung des jetzigen
Altarraumes
1701
Nachweis von 3 Windmüllern, 1 Schäfer und 1 Gemeindeschmied
1769
26.04.1769 Turmeinsturz der Kirche
1786
Abschluß der Kirchenrekonstruktion einschließlich Wiederaufbau des Turmes
1818/19
Turmeindeckung mit Schiefer
1836
Anschaffung des neuen Taufsteines
1842
Orgeleinbau
1862
Kirchenreparatur
1889
Turmspitze senkt sich wieder, Abriß und Wiederaufbau
1900
Erste Anfänge einer zentralen Wasserversorgung, Vielzahl von hölzernen Rohrleitungen
von Quellfassungen im Oberdorf, Zuführung zum Rohrtrog der Gaststätte "Hirsch"
heute noch in Betrieb.
1910
Schulaltbau im Straßenanger errichtet
1920
-24 Elektrifizierung des Ortes, Freileitungsnetz, erste Gestaltung am Sportplatz,
Abriß der Obermühle, Neubau der "Oberschänke" und der "Mittelschänke (Zum Hirsch)"
1932
Straßenneubau der LIO 102 Gröden - Großthiemig, Neubau der Ortsvermittlungsstelle
Fernmeldewesen, Hauptstraße Nr. 32
1935
Neubau der Gaststätte Richter "Unterschänke"
1946
Bodenreform
1950 Errichtung der Sparkassenzweigstelle im Zentrum, Erweiterung des
Wasserversorgungsnetzes
1951 BHG - Gründung, Objektausbau
1954 LPG - Gründung, erster genossenschaftlicher Stall in der Altbausubstanz
1955 Erster genossenschaftlicher Neubau (Schweinestall) im Osten der Ortslage
1961 Komplettierung der Anlage durch das Futterhaus, erster genossenschaftlicher Rinderstall
"Typ Brandenburg" in Rundholzausführung, lediglich Nordseite massiv!
Ergänzung der Milchviehanlage im Osten durch Offenställe und Bergescheunen
in Mastenbauweise, Beginn des Technikstandortes im Nordwesten der Ortslage,
Neubau des Sportlerheimes
1965 Ergänzung im Technikkomplex durch Kartoffelsortieranlage,
Fernmeldetechnischer Anschluß an das Knotenamt Elsterwerda,
Fertigstellung der neuen Feierhalle auf dem Friedhof
1967 Neubau der Kinderkrippe (26 Plätze) mit Rat der Gemeinde und Schulneubau,
"Typ Drahnsdorf", 8 Unterrichtsräume und 200 m2 Turnhalle
1968/69 Neubaublock an der Ortrander Straße, 18 Wohneinheiten, dreigeschossig
1970 Rekonstruktion des Kindergartens (72 Plätze) in der Nachbarschaft des
neuen Schulkomplexes
1971 Neues Typengebäude für die Ortsvermittlungsstelle der Post
1972/74 Rekonstruktion eines Altbaues zur PGH Friseur, erster Bungalow im Süden der Ortslage,
Anschluß an die Fernwasserversorgung des Wasserwerkes Tettau
1979 Inbetriebnahme der Milchviehgroßanlage im Westen der Ortslage,
Erweiterung des Einkaufszentrums um die Abteilung Lebensmittel
1980 Rekonstruktion der Kirche, innen und außen
1988 Schulneubau, Kinderkrippenneubau
1992 Zusammenschluß der Gemeinden Großthiemig, Hirschfeld, Gröden, Merzdorf
zur Amtsgemeinde Schradenland
Neugestaltung Denkmalsplatz
1995 Anlegung eines neuen Sportplatzes am Friedrich Ludwig Jahn - Gedenkstein
Asphaltierung der Straßen
1996 Beginn der Rekonstruktionsarbeiten am Kirchturm/Glockenstuhl

Wie entstand der Name des Dorfes Hirschfeld

aus einer Amtsbroschüre

Es ist anzunehmen, dass Hirschfeld, wie auch seine Nachbargemeinden im 12. Jahrhundert gegründet wurde.
Die Meißner Bistrumsmatrikel ist heute erst in der Fassung von 1495 überliefert, die ältere Fassung von 1346 gilt als verschollen, so dass dazu keine genaueren Angaben vorliegen. Bereits seit dem 10. Jahrhundert gehörte das Schradengebiet zum Einflußbereich des sächsischen Landadels. Neben der Entwicklung der Landwirtschaft (erste Bauernliste mit 16 Namen 1428) trägt auch die Etablierung und Weiterentwicklung des Christentums entscheidend zum Aufbau der Gemeinde bei.
Bereits 1474 ist ein erster Kirchturm vorhanden. 1563 wurde das Pfarrhaus erbaut, dass heute noch als Bruchsteinmauerwerk mit Lehmbindung erkennbar ist. 1550/51 könnte eine erste Schule existiert haben.
Einen Rückschritt für die Gemeindeentwicklung bedeuteten die schwedischen Brandschatzungen im 30-jährigen Krieg mit schweren Verwüstungen. Oft haben die Bewohner des Ortes im Schradenwald vor Feinden Zuflucht gesucht. Am 26.04.1769 stürzte der Kirchturm ein; dessen Wiederaufbau und die Kirchenrekonstruktion 1786 abgeschlossen wurde.
Erst 1818/19 erfolgt die Eindeckung des Turms in Schiefer. Die Anschaffung eines neuen Taufsteins 1836 sowie der Orgeleinbau 1842 komplettierten das sakrale Gesamtensemble. Nach durchgeführten Reparaturarbeiten am Hauptschiff 1862 senkt sich die Turmspitze 1889 erneut so stark, dass Abriss und Wiederaufbau unausweichlich sind.
Wie auch in anderen Ortslagen des Schradengebietes sind auch in Hirchfeld die um 1900 gebauten hölzernen Rohrleitungen als Anfänge einer zentralen Wasserversorgung mit Quellfassungen im Oberdorf zum Teil noch sehr gut erhalten und auch noch in Betrieb, z.B. Zuführung zum Rohrtrog der Gaststätte "Zum Hirsch".
Hirschfeld entspricht in seiner Siedlungsform als Straßenangerdorf entlang der Haupt- und Dorfstraße sowie der Großenhainer Straße und Pfarrgasse typischer frühdeutscher Ortsgründungen. Es zieht sich von Südwesten und Nordosten zu beiden Seiten eines Baches hin und gliedert sich in Ober-, Mittel- und Unterdorf. Zwischen den beiden Straßen entlang des Dorfbaches standen auf der langen schmalen Dorfflur die drei Schulhäuser (jetzt Jugendclub und Geschäftshäuser), die frühere Gemeindeschmiede, die ehemalige Gemeindeschänke (jetzt Gaststätte "Zum Hirsch"), die Kirchmühle, das Spritzenhaus und wie auch heute noch die Kirche.
Die kompakte Gehöftbebauung des fränkischen Dreiseitenhofes mit Hauptgebäude und Auszugshaus in Giebellage zum Dorfanger sowie richtungsgleich und quer zugeordnete Stallanlagen bestimmen auch heute noch das Ortsbild im Kernbereich des Dorfes.
Als kulturhistorische Objekte stehen unter Denkmalschutz:
- Platz mit Mittelschänke 1898
- Landwarenhaus 1964
- Dorfkirche mit Inventar 1786
- Fachwerkhaus der Pfarre 1639 (1690)
- Alte Schule 1850
- Neue Schule mit Turnhalle 1964
- Wohnhaus Dorfstraße 13
Die nach außen gerichtete ländliche Streubebauung ist vor allem in der Ortrander Straße, Ackerstraße, Plessaer Straße, Frankenstraße noch deutlich erkennbar und meist mit großen Nutzgärten umgeben, die der individuellen Bedarfsdeckung an Obst und Gemüse dienen.
Im Gemarkungsgebiet befinden sich zwei Flächennaturdenkmale, der Frankenmühlenhang und das Gut Schönau.
Neben dem Landschaftsschutzgebiet "Merzdorf- Hirschfelder Höhenrücken" befinden sich noch 16 weitere geschützte Landschaftsbestandteile im Gebiet. Unmittelbar südlich des Gewerbegebietes der Kartoffelverarbeitungsfirma Helmer liegt ein bronzezeitliches Gräberfeld. Südöstlich der Frankenmühle liegen noch zwei Wüstungen.
Die landschaftlich reizvolle Umgebung von Hirschfeld lädt zum Entdecken und Verweilen ein. Das gesellschaftliche Leben im Ort wird vor allem durch die zahlreichen Vereine geprägt, die einzeln bzw. gemeinsam Veranstaltungen und Feste organisieren.
Am bekanntesten ist das schon traditionelle Musikfest, das jährlich vom Spielmannszug "Deutsche Eiche" e.V. durchgeführt wird und viele Besucher nach Hirschfeld zieht.
In Hirschfeld kann unter Beachtung vorhandner Strukturen eine gut harmonisierende Kombination von Wohnen, Gewerbe, Freizeit, Sport, Erholung und Natur erreicht werden.

Wie entstand der Name des Dorfes Hirschfeld

aus einem Heimatkalender von 1907

Es zieht sich über 1 km weit von Südwesten nach Nordosten zu beiden Seiten eines Baches hin und zerfällt in Ober-, Mittel- und Unterdorf. Die Bewohner (1133) beschäftigen sich nur mit Ackerbau. Zwischen den beiden Dorfstraßen stehen auf der langen, schmalen Dorfflur die Kirche, die beiden Schulhäuser, die frühere Gemeindeschmiede, die ehemalige Gemeindeschenke (jetzt Mittelschenke), die Kirchmühle, das Spritzenhaus und noch einige in späterer Zeit entstandene Häuser.
Die Kirche, von einem schlanken, schmucken Turme geziert, ist in ihrer jetzigen Gestalt erst 1786 entstanden. Das erste Gotteshaus wurde 1470 unter Papst Paul III. gebaut, wie aus der Inschrift einer Münze hervorgeht, die das Bildnis jenes Kirchenfürsten trägt und 200 Jahre später auf einem Acker gefunden wurde. Der Turm - 1474 angebaut - wurde 1786 mit der Kirche erneuert und hatte bis 1819 Schindeldach. Schon 1568 war die Kirche erweitert worden, da die Bewohnerzahl beträchtlich zugenommen hatte. Aus der katholischen Zeit stammt die prächtige Holzschnitzerei am Altar, die Grablegung Christi darstellend, welche erst in neuerer Zeit wieder ergänzt und erneuert worden ist. Auf dem Kirchenboden befinden sich noch andere Zeugen jener Zeit: die Mutter Maria mit dem Jesuskinde, die hl. Ursula mit der Unterschrift Ora pro nobis sowie ein katholischer Bischof und harren ihrer Renovierung. Auch der Taufengel, der sonst über dem Taufstein schwebte, hat hier seinen Platz gefunden. Das Ölgemälde in der Sakristei, Christus mit der Dornenkrone darstellend, wurde der Kirche 1881 geschenkt. Es ist dioe Kopie eines älteren italienischen Meisters.
Die Reformation wurde hier 1539 eingeführt; der erste evangelische Geistliche war Andreas Günther aus Mühlberg. Die Pfarre wurde 1637 erbaut, nachdem sie 7 Jahre früher von den Schweden niedergebrannt worden war. Die jetzige Pfarrwohnung stammt aus dem Jahre 1690 und ist das älteste Gebäude des Ortes.
In den beiden Schulhäusern werden 234 Kinder von drei Lehrern unterrichtet. Nach den Aufzeichnungen in den Pfarrakten ist die Schule gleich nach Einführung der Reformation eingerichtet worden. Bis zum Jahre 1702 wurden die Schulmeister "Ludemoderatores" (Spielleiter) genannt; weil sie bis dahin keine Orgel hatten, sondern die Kirchenmusik und den gemischten Chor übten und leiteten. Von da an heißen sie Organisten.
Hirschfeld ist jedenfalls eine fränkische Kolonie und später entstanden als Kmehlen und Ortrand. Die ganze Anlage des Dorfes zeigt den deutschen Ursprung, aber die Zeit der Gründung ist unbekannt. Das in der Nähe liegende Frankendorf ist schon lange vor dem 30jährigen Kriege, vielleicht in den Hussittenkriegen eingegangen; denn in der Großenhainer Matrikel (1575) wie im Großenhainer 'Amtserbbuch (1517) wird der Ort nicht mehr genannt. Auch in den Pfarrakten, die doch ziemlich weit zurückreichen, wird Frankendorf nicht erwähnt.
Ursprünglich hatte Hirschfeld 46 Hufen (1617 ha); durch Teilung einzelner Wirtschaften vermehrten sich die Besitzer allmählich. 1575 waren es 54 Hüfner und Halbhüfner, 18 Gärtner, 29 Häusler und ein Freihufengut, das in adligen Händen war und jedenfalls durch Kauf von der Straucher Herrschaft erworben wurde. 1707 hatte Hirschfeld 115, 1820: 124 und jetzt 184 Gehöfte.
Schwere Zeiten brachen im 30jährigen Kriege, besonders 1637, 42 und 43 über den Ort herein. Gar manchmal haben die Bewohner im Schradenwalde Zuflucht vor den Feinden gesucht, selbst Kinder sind hier getauft worden. Im Taufrgister finden sich wiederholt Zusätze wie "im Busche getauft" oder "auf der Plesaer Horst an der Chanfähre getauft". Auch in den Kriegen 1813 und 14 hat Hirschfeld viel gelitten durch Einquartierungen, Kontributionen und allerhand Lieferungen, wobei manche Bauern ihre Pferde eingebüßt haben.
Ursprünglich gehörte der Ort zum Teil der Straucher Herrschaft (35 3/4 Hufen) und zum Teil der Elsterwerdaer Herrschaft (10 3/4 Hufen), kam aber durch Kauf oder Erbschaft schließlich ganz zu Elsterwerda.

Wie entstand der Name des Dorfes Hirschfeld
laut Landesarchiv Magdeburg

Erste urkundliche Erwähnungen der Gemeinden Gröden, Großthiemig, Hirschfeld, Merzdorf und Seifertsmühl

in den hier verwahrten Beständen konnten wir keine frühen Erwähnungen der o.g. Orte ermitteln. In der auf umfangreichem Quellenstudium in den entsprechenden Archiven beruhenden wissenschaftlichen Publikation "Die Ortsnamen des Kreises Bad Liebenwerda" (= Deutschslawische Forschungen zur Namenkunde und Siedlungsgeschichte, Bd. 22, Berlin 1968) gibt die Verfasserin Emilia Crome folgende Ersterwähnungsdaten für die Gemeinden des Amtes Schradenland an:

- Gröden 1346/1495 in den Meißner Bistumsmatrikeln; 1378 im Registrum dominorum marchionum Missnensium (wissenschaftlich bearbeitet und herausgegeben von H. Beschorner, Leipzig und Berlin 1933).
Zur Erwähnung in den Meißner Bistumsmatrikeln wäre zu erläutern, dass hierfür mit Sicherheit nur das Jahr ihrer Niederschrift im Liber Salhusii 1495 genannt werden kann. Das eventuell einmal vorhandene alte Register von 1346, das als Vorlage dieses Besitzverzeichnisses der Meißner Bischöfe gedient haben soll, ist verschollen. Seine Existenz kann nicht nachgewiesen werden.

- Großthiemig: 1404 als "Tymenig" im Kopiar 30, verwahrt im Sächsischen Hauptstaatsarchiv

- Merzdorf: 1406 als "Mertinsdorff" im Verzeichnis der Landbethe zu Hain 11a;
Sächsisches Hauptstaatsarchiv, Loc. 4376

- Hirschfeld: 1346/1495 in den Meißner Bistumsmatrikeln (vgl. dazu Gröden);
1403 als "Herzfelde" im bereits genannten Kopiar 30.

- Seifertsmühl: 1403 "die Sifridismoel" im Kopiar 30.

Wie entstand der Name des Dorfes Hirschfeld
laut dem Sächsischen Hauptstaatsarchiv

Wir können die Ersterwähnungen, die Ihnen vom Landesarchiv Magdeburg mitgeteilt wurden, bestätigen,. Die Angaben entsprechen dem heutigen Kenntnisstand. Natürlich kann nicht völlig ausgeschlossen werden, das spätere Forschungen neue Erkenntnisse bringen.
Die Belege aus der Meißener Bistumsmatrikel sollten durchweg erst auf 1495 datiert werden und kommen daher als Ersterwähnungen kaum in Frage. Diese Matrikel ist heute erst in einer Fassung von 1495 überliefert, deren Original sich im Archiv des Hochstifts Meißen befindet. Eine ältere Fassung von 1346 ist verschollen und nicht in ihrem Wortlaut bekannt. Zur Problematik verweisen wir sie auf folgende Literatur:
Richard Becker, Ein Original der Meißner Bistumsmatrikel und die Einteilung des Bistums Meißen, in: Neues Archiv für Sächsiische Geschichte, Bd. 23. Dresden 1902, S. 193-213;
Walter Haupt, Die Meißner Bistumsmatrikel 1495 (Quellen und Forschungen zur sächsischen Geschichte, Bd. 4), Dresden 1968;
Karlheinz Blaschke/Walter Haupt/Heinz Wießner, Die Kirchenorganisation in den Bistümern Meißen, Merseburg und Naumburg um 1500, Weimar 1969.
Demnach ergeben sich für die Orte folgende Ersterwähnungen:

Gröden

Der Ort wird in einem Urbar (Einkünfteverzeichnis) über die Herrschaften der Wettiner von 1378, dem sogenannten Registrum dominorum marchionum Missnensium genannt (SächsHStA, Wittenberger Archiv, Loc. 4333, Registrum 1378, Exemplare A, B und C, Druck wie vom Landesarchiv Magdeburg angegeben). Gröden (Originalschreibweise Graden) gehörte danach zum Amt Großenhain (Originalschreibweise Hayn) der Markgrafschaft Meißen und hatte zu Walpurgis (1. Mai) Abgaben von 15 Groschen und zu Michaelis (29. September) Abgaben von 30 Groschen an die Landesherren zu entrichten. Außerdem waren an nicht genannten Terminen je 8 Scheffel Roggen und Hafer abzuliefern.

Großthiemig

In einer Urkunde, die am 8. Juli (feria tertia Kyliani) 1404 in Dresden ausgestellt wurde, belehnte Markgraf Wilhelm I. von Meißen die Stadt Großenhain (Originalschreibweise: zcum Hayne) mit dem zum Dorf Großthiemig (Originalschreibweise Tymenig) gehörigen Gehölz genannt der Schraden (Abschrift in SächsHStA, Cop. 30, Bl. 160).

Merzdorf

Merzdorf (Originalschreibweise Mertinsdorf) wird in einem Verzeichnis über die Bete (Vorläufer der Landsteuer) im Amt Großenhain von 1406 (SächsHStA, Wittenberger Archiv, Loc. 4376, Rechnung über die Landbete zu Hain, 1406, Bl. 11) erstmals erwähnt. Das Dorf hatte damals 21 besetzte und 2 wüste Hufen (Bauernstellen), von denen je 6 Groschen Bete zu entrichten waren. Von der Mühle waren 9 Groschen, vom Kretzscham (der Schenke) 5 Groschen zu zahlen. Außerdem waren vom Dorf eigentlich 10 Hühner, 105 Eier und 6 Scheffel Roggen abzugeben. Diese Naturgaben wurden jedoch, wie aus einer anderen Stelle des Verzeichnisses hervorgeht, mit Geld abgelöst. Insgesamt wurden 1406 von diesem Dorf so 172 Groschen und 4 Heller Bete eingenommen.

Hirschfeld und Seifertsmühl

Von einer Urkunde, die Markgraf Wilhelm I. von Meißen am 24 Juli (feria tertia Vigilia Jacobi) 1403 in Dresden ausstellte, ist zwar nicht der Wortlaut, aber eine zusammenfassende Notiz überliefert (SächsHStA, Cop. 30, Bl. 151). Der Markgraf belehnte damals Katharina, die Ehefrau des Ritters Johannes von Köckritz auf Elsterwerda, mit dem Vorwerk genannt Seifertsmühl (Originalschreibweise Sifridismoel) sowie der Dörfern Hirschfeld (Hersfelde), Plessa (Pleez) und Strauch (Struch) als Heiratsgut.

Wie entstand der Name des Dorfes Hirschfeld
aus Landschaften in Deutschland Werte der deutschen Heimat "Der Schraden"

Der im Jahr 1403 als Hersfelde erstmalig erwähnte Ort wurde am Südrand des Schradens im Übergangsbereich zur pleistozänen Hochfläche angelegt. Der Ortsname bezieht sich wahrscheinlich auf das einst rotwildreiche Waldgebiet des Schradens, denn das Bestimmungswort des Ortsnamens ist am ehesten zu ahd. Hir(u)z, mhd. hir(t)z = Hirsch zu stellen . (Jagd- und Forstgeschichte, Tier- und Pflanzenwelt).

Die Jagd spielte im Schradenwald seit jeher eine Rolle. Bis 1564 verliefen nach einer Jagdkarte von CLEMENS FALKE noch etwa geradlinige Jagdschneisen vom südlichen Niederungsrand ins Innere des Schradens. Sie trugen Benennungen, die heute längst nicht mehr gegenwärtig sind, wie Schusselbahn, Grödnische Fortbahn, Stellbahn am Hirschfelder Damm, Schobers 'Winkelbahn und die Brandbahn. Letztere bildete vor der Schradenteilung im Jahr 1583 die Jagdgrenze zwischen dem sächsischen Kurfürsten und der Herrschaft Großkmehlen. Diese Jagdschneisen waren durch kürzere Querschneisen verbunden, wie Reißdamm, Königstuhl, Kreuzbahn, Wüste Bahn, Querweg, Eichel Bahn, Grödener Furt usw. Einige dieser Bahnen waren als vernässt dargestellt. Südwärts von Plessa verlief der Plessaer Steig zum (Wild-)Schweingarten und stellte die einzige Verbindung zum Nordrand der Schradenniederung dar. Verzeichnet sind ein Hirschgarten auf der Fahlen Horst, ein Rehgarten und ein (Wild-)Schweingarten, die wohl alle Vorläufer heutiger Gehege darstellten.
Die hohe Jagd stand seit jeher dem sächsischen Kurfürsten zu. Im
16. JH. werden die Bestrebungen des sächsischen Staates besonders deutlich, wesentliche Teile der Jagd im Schraden in seine Zuständigkeit zu bringen. Die Herrschaft Großkmehlen trat im Jahr 1578 die mittlere und niedere Jagd an den sächsischen Staat ab, welche an jagdbaren Arten Wildschwein, Reh, Hase, Fuchs samt allem Vogelweidwerk an Auer- und Birkwild, Fasan, Haselhuhn, Großtrappe, Kranich, Rebhuhn, Wildgans, Schnepfen, Drsseln usw. umfasste. Das betraf auch duie Jagddienste der Einwohner von Großkmehlen, Frauwalde und Großthiemig, die mit ihren Pferden as erbeutete Wild und die Jagdnetze nach Großkmehlen zu fahren hatten. Bauern ohne Pferde mussten zu Fuß die Jagd begleiten und Jagddenste verrichten. Auf den vorgesehenen Jagdplätzen durften 145 Tage keine Rinder und Schafe gehütet werden. Hütehunde waren stets angeseilt zu führen oder mit einem 5/4 Ellen langen "Kleppel" zu versehen. Haushunde durften zu nichts anderem als zur Bewahrung des Hausfriedens in den Höfen und dort an Ketten gehalten werden. Obst-, Kraut- und Kleinodgärten waren mit Zäunen ohne Spitzen einzufassen, um Wildschäden auszuschließen. Wildschweine durften lediglich zwischen Walpurgis und Bartholomäi mit Hunden vertrieben werden. Schon im Jahr 1564 ging die Jagd der Straucher Herrschaft im Schradenwald an den sächsischen Kurfürsten über, der dafür jährlich 50 Gulden und ein Deputat von sechs Stücken Wild (zwei Hirsche, zwei Bachen und zwei Rehe) bewilligte.
Nach
1564 wurde vom sächsischen Landesherren ein sternförmig verlaufendes Schneisensystem angelegt, dessen Zentrum mitten im Wald etwa zwischen Plessa und Gröden lag.Diese auch aus anderen sächsischen Waldungen bekannt gewordenen Sternschneisensysteme waren der Ort für Hetzjagden, sogenannte "sächsische" bzw. "eingestellte" Jagden. Das Wild trieb man aus dem Wald entlang der mit Netzen versehenen Schneisen in Richtung Jagdhaus auf einen Waldfreien Platz, wo es dann von bereitstehenden Jägern mittels Spießen getötet bzw. vom Jagdhaus bzw. von Stellbäumen aus beschossen wurde. Dieser zentrale Platz hatte eine achteckige Fläche mit einem Inhalt von ca. 50 ha, von dem jeweils im Winkel von 45° sternförmig acht gerade Schneisen ausgingen. Zwischen diesen bestanden in gleichmäßigen Abständen vom Zentrum drei Querverbindungen, sogenannte Rundungen, die der gesamten Anlage aus der Vogelperspektive das Aussehen eines achteckigen Spinnennetzes verliehen, wie es u.a. anhand mehrerer Karten des 16. und 17. Jh. ersichtlich ist (Abb. 38). Die erste Schneise richtete sich in südöstliche Richtung. Alle weiteren wurden entgegen dem Uhrzeigersinn nummeriert. Sie verliefen jeweils bis zum Rand des Schradenwaldes. Das in der 2. Hälfte des 16. Jh. errichtete Jagdhaus im Zentrum des Platzes war von einer 49 Ellen langen und fünf Ellen hohen Mauer umgeben, die an den Ecken kleine Türmchen aufwies. Das Haus selbst war ein Fachwerkbau, welcher entsprechend des Inventariums von 1607 in der 1. Etage zwei Zimmer und eine Kammer, in der 2. Etage zwei Stuben und zwei Kammern, in der 3. Etage eine Stube und eine Kammer und in der 4. Etage "nichtes allß achtt gute scheibenfenster umb und umb" hatte. Der Turm, der das Haus krönte, war an vier Ecken mit Ziegeln, ansonsten mit Holzschindeln eingedeckt. Holzflächen waren mit Kienruß geschwärzt. 1608 wird das Jagdhaus durch den Großenhainer Hofzimmermann JACOB GROSSMAN für 57 Gulden umfassend rekonstruiert. 1636 war es druch die Wirren des Dreißigjährigen Krieges in einem desolaten Zustand und wurde alsbald abgetragen.
Der Schradenwald war bevorzugtes Jagdrevier des sächsichen Herrscherhauses. Im Jahr
1616 wurden dort sechs Jagden gehalten und die heute kaum noch vorstellbare Jagdausbeute bestand aus Rothirschen, Rehen und Wildschweinen. So erbrachte die Jagd am 22.07. desselben Jahres "im Schraden am Hause" 61 Rothirsche, 39 dergleichen Kühe, 17 Hirschkälber, zwei Rehböcke, fünf Rehe, zwei Rehkälber, ein Keiler, eine Bache, zwei Jungschweine, fünf Frischlinge und vier Füchse. Dass damit der Wildvorrat nicht erschöpft war, zeigt die nur zwei Tage später erbeutete Jagdstrecke im Schraden "am Wolfsstrauch" (20 Hirsche, 48 Hirschkühe, 18 Hirschkälber, zwei Rehböcke, fünf Rehe und ein Jungschwein). Umsich bei der Jagd in den schwerzugänglichen Waldbereichen einigermaßen orientieren und Jagdbereiche abgrenzen zu können, wurden geeignete Bäume bzw. (seltener) aufgestellte Holzsäulen mit rotfarbigen Jagdzeichen versehen. Diese werden bereits in den historischen Karten von MATTHIAS OEDER ersichtlich. Aus einem Verzeichnis geht hervor, dass in den Jahren 1651/52 nicht weniger als 2 405 Jagdzeichen im Schradenwald angebracht waren. Zum Jagdhaus führende Schneisen waren mit einem "H" als Zeichen markiert, nahezu alle übrigen trugen gemäß der Nummerierung der sternförmig angeordneten Jagdschneisen die Ziffern 1 - 8.
Im
18. Jh. war in Gröden eine Wildmeisterei eingerichtet. Neben den Lieferungen an den sächsischen Hof beliefen sich ihre Abgaben im Jahr 1784 auf insgesamt 18 Stück Rotwild, neun Rehe und 12 Wildschweine (Bachen) an verschiedene Rittergüter. Die an die einst jagdberechtigten Herrschaften am Schraden geleisteten Wildbretdeputate wurden aufgrund zunehmenden Wildmangels in den folgenden Jahrzehnten nach nund nach in eine Geldrente umgewandelt. Diese Geldrenten wurden schließlich bei den Separationen gänzlich abgelöst. Mit zunehmender Walzurückdrängung im 19. Jh. gingen die Wildbestände kontinuierlich zurück und es gewann mehr und mehr die Niederwildjagd und die Jagd auf Wassergeflügel an Bedeutung. 1807 wird beklagt, dass sich das Wild durch harte Winter und Überschwemmungen größtenteil verloren habe und man nur noch selten Rehe oder Wildschweine sehen würde. Allein im Jahr 1784 seien gegen 400 Stück Wild erfroren "und was leben blieb, zog weiter".
Mehr und mehr setzte sich die Jagdverpachtung durch.
Über die Einhaltung der Waldrechte wachten vereidete Förster der ansässigen Grundherrschafte Elsterwerda und Großkmehlen, die bereits im Jahr
1366 erwähnt werden.
Das Amt Großenhain hatt in Gröden im
16. Jh. eine Oberförsterstelle eingerichtet. Als erster Förster wird 1557 HANS RAUN erwähnt. Nahezu 200 Jahre (1601 - 1793) wirkte das Förstergeschlecht GLASEWALD im Schraden. Nach den genannten frühneuzeitlichen Waldbeschreibungen vermittelt die vom Förster FRIEDRICH CHRISTIAN GLASEWALD im Auftrag des sächsischen Staates vorgenommene sogenannte Ausmesstaxation von 1765 einen recht genauen Einblick in damalige Bestockungsverhältnisse des kurfürstlichen Schradenwaldes. Danach dominieren Erlen, seltener finden sich Eichen und Birken. Welche forstliche Bedeutung der Schradenwald zu jener Zeit noch innehatte, spiegelt sich u.a. in einem entsprechenden forstlichen Personalbesatz wider. Danach gab es 1767 an Forstbediensteten im Schraden den Oberförster in Gröden, den Hegereuter in Krauschütz, je einen Fußknecht für den Schraden und das Pfeifholz, die beide in Gröden ansässig waren, den Fußknecht in Plessa, den Fußknecht auf dem Oberbusch-Vorwerk, den Grenzschützen auf dem Pulsnitzdamm, den Grenzknecht in Großthiemig und den Grenzzaun-Knecht zur Oberlausit, der den dortigen Wildzaun entlang der Grenzpulsnitz zu beaufsichtigen hatte.
Im Jahr
1819 wurden den Schradenwald neu eingerichtet und innerhalb des Forstreviers Gröden der PULSNITZDAMMER UND Grödener Unterforst gebildet. Eine weitere Einrichtung nahm man 1837 vor. Nach dem Ableben des Oberförsters AUGUST CHRISTIAN BRUCKMEYER (Grabstätte an der Grödener Kirche) im Jahr 1846 gingen die Waldungen der Oberförsterei Gröden zunächst an den Forst Gorden über. 1861 wurde innerhalb der neuen Oberförsterei Elsterwerda eine Neueinrichtung des mittlerweile im Ergebnis der Separationen stark verkleinerten Schradenwaldes vorgenommen.
Als Grenzzeichen wurden nun vorzugsweise Hügel, die "Malhaufen" verwendet. Die Forstabteilungen waren mit Flächen zwischen
74 und 861 Morgen noch immer von sehr unterschiedlicher Größe. 1890 erfolgte eine Einrichtung in rechteckige, mehr oder weniger regelmäßige Forstabteilungen, die "Jagen".
Gegenwärtig hat das nordwestlich der Ortslage Schraden verbliebene, zur Oberförsterei Elsterwerda gehörende Revier "Niederer Schraden" einen Flächenumfang von lediglich
239 ha. In diesem dominieren Kiefern. Randlich finden sich Alteichenforste auf Rabatten, Birken-Vorwälder und eingebrachte Fichtenbestände.
Bereits im Jahr
1807 wird bemerkt, dass der Schradenwald nicht arm an offizinellen Pflanzen sei. Es Wachse dort Baldrian (Valeriana officinalis bzw. Valeriana sambucifolia) und wilder Rosmarin (Sumpfporst = Ledum palustre). In den alten sächsischen Florenwerken werden Pflanzenarten aufgeführt, u.a. Sump-Kreuzkraut (Senecio paludosus), die heute im Schraden längst ausgestorben sind. 1861 wird in Forstunterlagen die reiche Flora der Torfbrüche mit Arnika (Arnica montana) und dem hier selten auftretenden Gagelstrauch (Myrica gale) hervorgehoben. Druch die starke Waldzurückdrängung lassen sich heute im verbliebenen Schradenwald kaum noch regional bedeutsame Pflanzenarten nachweisen. Imposant ist die mächtige Stiel-Eiche ca. 400 m westlich von Oberbuschhaus, deren Alter auf über 300 Jahre geschätzt wird.

 

oder

 

 

Im Schradenwald wurden aktuell durch Licht- und Kescherfänge sowie Raupenbeobachtungen bislang 160 Arten der Großschmetterlinge nachgewiesen, unter ihnen der Dukatenfalter (Heodes virgaureae L.) und der Kleine Schillerfalter (Apatura ilia) 

 

 

Beim Bau eines Kartoffelverarbeitungsbetriebes wurde 1987 ein Gräberfeld der Bronze-/Eisenzeit angeschnitten und nachfolgend während einer Rettungsgrabung von ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegern untersucht. Die Funde werden in den Stadtgeschichtlichen Sammlungen Cottbus aufbewahrt. Von einem unbekannten Fundplatz liegt eine bronzene Lanzenspitze vor. In der Sammlung der Hirschfelder Schule, die heute leider verschollen ist, befanden sich nach einer Mitteilung aus dem Jahre 1940 vier Steinäxte, zwei Steinpfeilspitzen und 12 kleine und größere Urnen. Ihre Herkunft aus der Gemarkung ist nicht gesichert.
Hirschfeld ist ein langgestrecktes zweizeiliges Straßendorf entlang einer Bachaue, deren mittlerer und unterer Abschnitt schon im 19. Jh. mit öffentlichen Gebäuden, Kirche, Schul- sowie Wohnbauten (Mittelschänke) überbaut war. Die westlich gelegene Gehöftreihe mit den direkt anschließenden Hofäckern ist als die ältere Zeile anzusehen.
Hirschfeld gehörte im 15. Jh. den Herren von Köckritz auf Elsterwerda und Strauch.
1406 entrichteten die Hirschfelder von 30 Hufen sieben Groschen und von zwei weiteren Hufen sechs Groschen und 16 Maß (Scheffel) getreide.
1540 treten als Lehnherren CHRISTOPH VON MALTITZ auf Elsterwerda und HANS VON KÖCKRITZ auf Strauch auf.
1576 gehörten zur Pfarre zwei Hufen Land und zwei Hopfengärten.
1580 verkaufte HEINRICH VON KÖCKRITZ sein Gut Merzdorf

 Merzdorf wird im Beteverzeichnis zu Hayn von 1406 erstmalig als Mertinsdorff mit 21 besetzten und zwei wüsten Hufen erwähnt. Der Ort kann als Dorf eines Martin, Mertin aufgefasst werden. Genannt werden des weiteren der kretzscheme (die Gaststätte) und eine mol (Mühle). 1456 gehörte der Ort denen von Köckritz auf Elsterwerda. Als alter Bestandteil der Herrschaft Elsterwerda zinsten 1530 die Merzdorfer Bauern an das dortige Schloss. Bei der Veräußerung und Teilung der Herrschaft Elsterwerda 1512/13 wahrten sich die von Köckritz Merzdorf und damit gewisse Rechte am Schraden. 1565 verpachteten sie ihren Merzdorfer Besitz an die Familie von Pflug auf Frauenhain. Der Verkauf erfolgte 1580. 1612 war das wohl durch Zusammenlegung von Bauernhufen entstandene Rittergut im Besitz von Hans Pflugs Erben. Diese veräußerten es offensichtlich, und in der Folge finden wir es im Besitz verschiedener Familien. Von 1844 bis zur Bodenreform 1945 gehörte es der Familie von Rochow auf Strauch.

 

an HANS VON PFLUG zu Frauenhain, behielt aber 12 Hüfner mit ihren Gütern in Hirschfeld.
1592 wurden 23 "Pferdner" (darunter 15 "Pferdner", die dem von Maltitz auf Elsterwerda gehörten), 11 Vorwerksgärtner, zehn Gärtner (darunter acht ehemals zu dem von Maltitz) und 30 "kleine neue Häuslein" genannt.
Über den Zeitraum und die Ursache des Wüstfallens des unmittelbar östlich gelegenen Frankendorfes (1406 Frangkhinhain) ist nichts bekannt. Dieses Dorf zinste im selben Jahr für jede der 24 Hufen sechs Groschen und sieben Maß (Scheffel) Getreide.
1775 wurde vermerkt, dass der Ort Franken durch Pest wüstgefallen sei und nur die heute noch zu findende Frankenmühle stehen blieb.So erinnern die östlich von Hirschfeld belegten Flurbezeichnungen Fränkische Hofäcker und Fränkische Wiesen an den Wüstungsstandort (Frankenmühle).

Im Verzeichnis der Zinsen und Einkommen der Herrschaft Elsterwerda von 1613 hatten sieben Personen Francken Zcinsse zu entrichten. Die in der Karte von BALTHASAR ZIMMERMANN (Anfang 17. Jh.) verzeichnete Frankenmühle wurde von Quellwässern betrieben, die unweit dieser an der Nordabdachung der südlich gelegenen Moränenzüge entspringen und in kleinen Teichen angestaut wurden. Die noch heute arbeitende Mühle wird elektrisch betrieben. Der Name der Frankenmühle muss im Zusammenhang mit der östlich von Hirschfeld am Frankenbach gelegenen Wüstung Frankenhain oder -dorf gesehen werden, vgl. 1406 Frangkinhain, 1575 Francken. Das Bestimmungswort Franken ist zum Stammesnamen der Franken zu stellen. Das Grundwort -hain = gehegter Wald ist in historischen Quellen des Wüstungsnamens vom 16. Jh. an nicht mehr belegt.
Der Frankenbach trennte die östlich gelegenen, von den Hirschfeldern bewirtschafteten Fränkischen Wiesen von der hier westlich verlaufenden Fränkischen Hütung (s. E 4). Das nördlich der Hirschfelder Erbhütung (s. E 4) gelegene Francken Hörstinchen, eine kleine Sandinsel am Rande des Schradenwaldes, gehörte bereits zu dessen Flur. In den an die Mühle angrenzenden Quellwäldchen, schon in alten Karten als Francken Höltzchen bezeichnet, kommen Bestände des Sumpffarns (Thelypteris palustris) und des Wechselblättrigen Milzkrautes (Chrysosplenium alternifolium) vor.
Im Gebiet um die Frankenmühle wurde die stattliche Zahl von
230 Großschmetterlingen nachgewiesen, darunter die Glucke Gastropacha quercifolia, der Schwärmer Hyles galii, der Zahnspinner Drymonia velitaris und der Eulenfalter Dicycla oo und Apamea furva.
1817 bestand die Gemarkung aus 61 Hufen, davon gehörten 47 1/2 Hufen schriftsässig zum Rittergut Strauch und 13 1/2 Hufen zum Rittergut Merzdorf.
1835 wurden 145 Wohnhäuser gezählt. Der Viehstand umfasste 136 Pferde, 834 Rinder, 624 Schafe, zwei Ziegen und 44 Schweine. Bei der Umlegung (1928) der 1 665 ha großen Gemarkung wurden die vorhandenen 3 902 Parzellen und 271 Besitzstände auf 1 475 "Pläne" reduziert.
Das Pfarrhaus mit Fachwerk im Obergeschoss aus dem Jahre 1690 wurde 1969-1989 rekonstruiert. Der spätbarocke Putzbau der Dorfkirche stammt aus dem Jahr 1786 und hatte bereits mehrere Vorgängerbauten. Das Gotteshaus sowie seine Ausstattung besticht durch die vorherrschende Schlichtheit und deren Zusammenspiel mit den erhaltenen Kunstdenkmalen. Eine neue Glocke wurde 1997 gegossen.
1495 als Pfarrort genannt, hatte er von 1575 bis 1636 Strauch als Filial.
1815 kommt Hirschfeld von der sächsischen Landeskirche an die preußische mit dem Verwaltungssitz der Superintendur in Elsterwerda.
1907 und 1929 wird das Vorwerk Schönau (Schradenvorwerke)

Die ersten Schradenvorwerke wurden am Ende des 17, Jh. von den Herrschaften Elsterwerda (Reißdamm und Oberbuschhaus) und Großkmehlen (Rotes Buschhaus) errichtet. Beide Herrschaften gerieten wegen dieser Vorwerke in Streit, der vor Gericht ausgetragen wurde. So beschwsert man sich über die Elsterwerdaer Herrschaft im Jahr 1695, dass sie das "meiste holtz platzweise weggeschlagen, ausroden, zu acker umbreißen, Gräben machen ... aldar gar einige Gebäude, Scheune, Vieh, Hoff, Forwergs Hauß und dergleichen aufführen" ließe. 1707 heißt es dagegen, die Großkmehlener Herrschaft habe nicht nur "vor einigen Jahren ein Viehhauß im Schraden gebauet, sondern auch selbes nach der Zeit mit Scheunen und Viehställen vermehret, hierzu ein vollkommenes sehr nutzbares Forwerg daselbst angelegt". Die Ackernutzung wurde zwar auf den höchstgelegenen Bereichen der Schwemmsandinseln angelegt, unterlag aber dem Hochwasser bzw. der Nässe. 1727 wird die Flächenausdehnung der Ackerflächen des Buschvorwerkes der Herrschaft Elsterwerda mit 138 Acker und fünf Quadratruten (ca. 76,37 ha) angegeben.
In der Karte des Oberlandfeldmessers CHRISTOPH MORITZ DIETZ (
1754/55) sind bereits alle drei Vorwerke verzeichnet. 1695 beschwerte man sich über den von der Elsterwerdaer Herrschaft angelegten Rohrschen Graben (nach von ROHR benannt), der zur Entwässerung des Vorwerksgeländes am Oberbuschhaus diente. 1709 stellt man zu diesem fest, dass das Gelände am Graben "trocken und passabel" sei, der Graben mit Kähnen befahren könne und Abholzungen im Grabenbereich vonstatten gingen. 1712 wird bemerkt, dass das "meiste Feld wegen der Elsterüberschwemmung nicht angebaut und nicht mit Dung versehen werden könne". Angebaut wurden Heide-, Winter- und Sommerkorn sowie Sommerweizen, Hafer und Hirse. Zum Vorwerk gehöreten auch Mähwiesen. Es wurde von einem Hofmeisterm, drei Knechten und drei Mägden bewirtschaftet.
Bei einer Bereisung des Schraden im Jahr
1811 wurde bemerkt, dass die Gräben des Oberbuschhäuser Vorwerkes "geräumt, die aus denselben genommene Erde ausgebreitet und mit Erlensamen besäet war". Im Ur-Meßtischblatt von 1847 werden neben dem Oberbuschhaus auch die Vorerke Buschhaus (das spätere VBorwerk Huthaus bzw. Kaupen.Vorwerk) und das Rotes Buschhaus der Herrschaft Großkmehlen ersichtlich.Sie Vorwerke Schönau und Schradenau, die im Ur-Meßtischblatt noch nicht verzeichnet sind, erscheinen in der "Brouillon-Karte von der am linken Ufer der Schwarzen Elster belegenen Theilen des Schraden" (EILFELDT 1854). Diese entstanden wie weitere Vorwerke (Huthaus, Schradenau) erst nach den Separationen, als sich die Eigentumsverhältnisse im Schraden durch Landabfindungen änderten. (s. B 7.1). (siehe auch "Der Schraden") 1938/39 wurden im Vorwerk Rotes Buschhaus eine Brennerei betrieben sowie Milchkühe, Schweine und Federvieh gehalten. Angebaut wurden Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Gemenge, Kartoffeln, Raps, Möhren, Mais, Rüben und Seradella. Nach 1945 wurde das Vorwerk Schradenau, wohl wegen seines schlechten Zustandes spöttisch als "Lappige Jacke" bezeichnet und so auch in topografischen Karten benannt. Das Wirtschaftsgebäude des Vorwerkes Rotes Buschhaus ist in den 1980er Jahren teilweise abgetragen worden. Das Gutshaus ist baufällig. Bemerkenswert sind die Anwesen des Vorwerks Reißdamm, die Wohn- und Stall- bzw. Scheunenteil in einem Gebäude vereinen und sich durch Flachdach und durch eine teilweise Holzverschalung auszeichnen. als eingepfarrt bezeichnet.
Seit 1987 wird die eigene Kirchgemeinde Hirschfeld (ohne Pfarrer) von Großthiemig mitverwaltet.
1817 werden drei Wind- und drei Wassermühlen genannt, die außerhalb des Dorfes liegende Frankenmühle und die Kirch- und die Obermühle inmitten der Ortslage. In der Oeder-Zimmermann-Karte sind zwei Windmühlen südlich der Ortslage verzeichnet, eine weitere befand sich entsprechend den Angaben der Äquistantenkarte nördlich der Dorflage. In dieser kartografischen Quelle ist noch eine Windmühle im NO des Horstberges verzeichnet.
Die 1592 erwähnte oberschächtige Wassermühle der Herrschaft Strauch war mit einem Gang versehen. Die Wasserversorgung entstammte Quellen im Heiligen Grund und den ergiebigen Quellbereichen westlich der Frankenmühle, denen in einer Sturzquelle deutlich sichtbar größere Wassermengen entströmen. Im Quellbach trifft man auf Bestände des Bach-Quellkrautes (Montia fontana agg.). Westlich des Dorfes finden sich die bereits stärker entwässerten Quellbereiche des Donnerborns. Alte hölzerne Rohrleitungen zur Wasserversorgung im Oberdorf sind teilweise noch in Betrieb.
An der Grenze zur Grödener Gemarkung lag vor dem Schradenwald die Erbhütung, die in einer Karte von BALTHASAR ZIMMERMANN (um 1620) als "sehr brüchichtvndt tief gelegen" beschrieben wird. In dieser Karte sind auch die Mahl Säulen verzeichnet, die die Grenze zum nördlich gelegenen Schradenwald und den randlichen kurfürstlichen Wiesen markierten. Den alten Weinberg auf dem Horstberg, zwischen Heiligem Grund und Ortslage gelegen, ist weitgehend einer Kiesgrube zum Opfer gefallen. Im Flurbuch der Gemeinde von 1775 wird berichtet, dass einige Bauerngüter auf ihren bergigen Frundstücken Wein bauen. Dieser Weinbau sei jedoch von "sehr geringer Erheblichkeit", da die Weinberge nicht hinreichend kultiviert würden und eine schlechte Lage hätten.
Unweit des Grenzsteines, Nr. 167 (Grenzsteine), finden sich noch Reste eines Schlehengebüsches mit Kartäuser-Nelke (Diantus carthusianorum), Blut-Storchschnabel (Geranium sanguineum), Färber-Ginster (Genista tinctoria) und Berg-Haarstrang (Peucedanum oreoselinum), Arten, die auf die einstige ausgedehnte Schafbeweidung hindeuten. Im Bereich der schütteren vorgelagerten Altkieferbestände erklingt noch der Gesang der Heidelerche. Auch Hohl- und Turteltaube wurden nachgewiesen.
Nach der Bodenreform folgte am 23.04.1953 die Gründung der LPG Typ I "Guter Wille", und am 21.09.1954 wurde die LPG Typ III "7. Oktober" ins Leben gerufen, die beide 1958 mit 311 ha Land zusammengeschlossen wurden. Am 01.04,1960 entstand die LPG "Schradenland" (Typ I, 1 457 ha), die sich 1968 der bestehenden anschloss (1 749,62 ha, 323 Mitglieder). Die südlich der Straße nach Gröden errichtete Milchviehanlage für 2 000 Tiere wurde am 16.10.1978 in Betrieb genommen, heute bildet sie eine Produktionsstätte der Schradenmilch GmbH Hirschfeld.

Neue Erkenntnisse

- freundlicherweise bereitgestellt von Herrn Werner Kirsche aus Großthiemig.
Am 07. Mai 2006 erhielt ich von Herrn Kirsche eine Kopie über neueste Erkenntnisse betreffs der Gemeinden Tymenk (Großthiemig), Hersfelde (Hirschfeld) und Frankinhain (Frankenmühle).
Bei diesen ist davon auszugehen das die 3 (heute 2) Gemeinden zum ersten mal im Jahre 1364 erwähnt wurden. Das wirft natürlich alle Erkenntnisse der vorherigen Beiträge über den Haufen. Für Großthiemig hat man wohl schon wieder eine 2 Jahre ältere Erwähnung gefunden. Vielleicht findet man ja für Hirschfeld auch noch eine ältere Ersterwähnung. Da könnten dann die jüngsten Teilnehmer der 600-Jahrfeier im Jahre 2003 mit 88 Jahren im Jahre 2091 die 1000-Jahrfeier erleben. (2003=600; 2014=650, 2025=700; 2036=750; 2047=800; 2058=850; 2069=900; 2080=950 und 2091=1000). Aller 11 Jahre 50 älter. Ist doch ein schönes Zahlenspiel, oder? Bis zur 750-Jahrfeier könnte ich es theoretisch eigentlich auch schaffen, kriege ja sicher nicht soviel Rente wie die heutigen Senioren. Da muss ich sie eben ein bischen länger schröpfen. Die Bundesrepublik Deutschland, wenn die sich nicht wieder etwas Neues einfallen lässt. Wir werden sehen sprach der Blinde. Doch lange Rede, kurzer Sinn hier das Original, die lateinische Ausführung und die Übersetzung ins Deutsche.

 

 

 

 

urkunde1

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