Artikel in Sächsischer Zeitung

Heute Artikel zur Steinbank zwischen Heidebergturm und Straucher Kieswerk entdeckt.

StrauchMittwoch, 17.04.2013

Steinbank im Stillstand

Das Denkmal ist von der Kiesgrube bedroht. Seit Jahren gibt es keine Lösung, obwohl eigentlich alles klar ist.

Von Susanne Plecher

Wo früher Waldesrauschen zu hören war, kann man jetzt Baggern bei der Arbeit in der Kiesgrube lauschen. SZ-Mitarbeiterin Susanne Plecher testete gestern die Aussicht von der Steinbank am Heideberg. Die ist Ende des 19. Jahrhunderts aus Beton gegossen worden und beginnt allmählich auseinanderzubröseln. Foto: Klaus-Dieter Brühl

Ulrich Strutzberg kann das nicht verstehen. Der heimatverbundene Straucher wollte wissen, was denn nun mit der steinernen Bank passieren soll. Ein Wahrzeichen seines Dorfes immerhin, Zeugnis vergangener Herrlichkeit. Im ausgehenden 19. Jahrhundert ist sie von der Adelsfamilie derer von Rochow im Wald nahe der Schradenberge aufgestellt worden. Eine schöne Sicht gab es damals übers weite Land, bis hinein ins Dorf, bei guter Sicht sogar bis in die Stadt. Der Freiherr hat hier gerastet, sich von der Jagd oder einem Ausritt entspannt, den Blick genossen.

Inzwischen steht sein Rastplatz an einem riesigen Loch. Bagger schieben sich weit unten durch gelben Heidesand, Kipper arbeiten sich die kiesigen Wege hoch. Die Bäume jenseits sind so groß, dass man nichts mehr sieht. Kiefern, Birken versperren die Sicht.

Aber das ist ja gar nicht die Frage. Die Kiesgrube ist das Problem, die sich Stück für Stück weiter Richtung Kulturdenkmal in den Boden frisst. Denn als solches ist die Steinbank am Heideberg im Sinne des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes eingetragen. Und das beunruhigt in Strauch so manchen, aber Ulrich Strutzberg hat sich erkundigt. „Ich habe im Ortschaftsrat nachgefragt, was nun damit werden soll“, sagt er. Und weil dort keiner etwas wusste, ging er selber zum Geschäftsführer der SKR Sand-Kies-Recycling, Andreas Kirst. Der sei sehr aufgeschlossen gewesen, habe selbst von einer Vereinbarung gesprochen, die er noch mit der Gemeinde Zabeltitz getroffen hatte. Anfang der 2000er Jahre war das; die Kiesgrube wurde eben erst erschlossen. Darin war festgelegt worden, dass die Bank für die Dauer des Kiesabbaus von der Gemeinde eingelagert und nach der Sanierung des Geländes wieder aufgebaut werden sollte, so Strutzberg.

Kirst ist nach wie vor aufgeschlossen, aber es findet sich kein Adressat, an den er die Hilfe richten könnte. Inzwischen ist ein wenig Bewegung in die Sache gekommen. In Strauch gibt es Überlegungen, sich nach einem neuen Standort für die Bank umzusehen, verrät der Straucher Aris Gutsche. Auch die Bürgerinitiative „Wir für unsere Dörfer“, die sich wegen des drohenden Windparks gegründet hatte, hat sich der Bank angenommen. Des Freiherrn Rastplatz tauge schließlich zur touristischen Vermarktung. Und jedes Argument, das die Region aufwertet, zählt im Kampf gegen die Windräder. Derzeit kann man mit dem Freisitz jedoch keinen Blumentopf gewinnen. Er bietet ein eher trauriges Bild: Die Ränder der großzügigen Sitzflächen bröckeln ab, tiefe Risse durchziehen die Lehne, ein Loch klafft dort, wo irgendwann das Wappen derer von Rochow prangte.

Ob man sie überhaupt noch retten könne? Daran hat Andreas Kirst so seine Zweifel. Unbegründet sind die nicht. Auch Aris Gutsche befürchtet, dass die Bank einfach auseinanderbrechen könnte, wenn man sie umsetzt. Doch wohin? Ulrich Strutzberg weiß, dass einige Straucher sich das Kulturgut auch auf ihr Grundstück stellen lassen würden. „Die gehört schließlich zu unserer Geschichte“, sagt er. Er selbst bietet sich an. Für ihn steht fest: „Die Stadt ist der Rechtsnachfolger der Gemeinde Zabeltitz und damit zuständig. Jemand muss es ja mal entscheiden.“ Auch Kirst sieht das so. Die Stadt müsse klären, wo die Bank künftig Wanderern Ruhe geben könnte. „In die Luft kann ich sie schließlich nicht stellen“, sagt er.

Die Stadt sieht sich jedoch nicht in der Pflicht. Im Herbst 2012 hatte der Ortschaftsrat das Thema in die Stadtverwaltung getragen. Mit wenig Erfolg. „Die Stadt kann nur wenig tun, weil sich die Bank auf Privatland befindet“, so Rathaussprecherin Diana Schulze. „Wir haben dem Ortschaftsrat empfohlen, auf die Firma zuzugehen“, führt sie fort. Doch die ist ja schon seit Jahren willens. Noch ist Zeit. Zumindest aus Sicht der Grube. Erst in zwei bis drei Jahren, so Kirst, würde der Abbau so weit voran geschritten sein, dass die Bank dringend weichen müsse. Ob die allerdings so lange noch durchhält, ist fraglich.

 

Sah aber vor 12 Jahren auch schon fraglich aus.

Fotoserien

Steinbank am Heideberg (MI, 17. April 2013)

Bei einer Wanderung zur Steinbank im Jahr 2001 sah die Steinbank schon sehr mitgenommen aus. Hier einige Bilder davon.

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Veröffentlichung

Hirschfeld
Mi, 17. April 2013

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